futur 1

anguissola kenne ich nicht.
ich kenne nur straciatella und möhren für karotten und tingeltangel und vernunftkritik und heillos in die arme fallen.
gentileschi kenne ich nicht.
ich kenne nur schwärmerei für büschel und zickenalarm und kitzler in der kritik. /
ich kenne nur eine anstalt, und eine andere,
eine vervielfältigungstechnik, durch die man verschwinden kann,
und eine kulisse in meinem kopf für den kulissenfilm meines lieblings:
für einen film, den es geben wird!
ja wenn es den erst geben wird!!,
(dann hab nicht-nur-ich ihn gesehn --)





aloisia ging auf spitzen hacken – 
mit siebzig kein einfacher plan: 
die verwüsteten fernsehstudios so zu durchwandern
nach der «ersten großen plünderung».
die geschichtsbücher an denen die kröten schrieben 
(man sah ihnen zu am straßenrand)
enthielten die gegenwart als brutale umgebung
und mehrere sprüche in denen 
unser leben als eskalation beschrieben war.
dagegen sich zu wehren war zwecklos
sodass uns einfiel wir könnten statt das schrifttum der kröten zu beklagen
uns angleichen diesem text und die
ausnahme die darin so feierlich auserzählt war zum alltag machen unseres tuns.
so streunten wir hinter aloisa her durch die devastierten studios
aus denen kamerafrauen, redakteurinnen, beleuchterinnen geflohen waren
aus angst aus protest aus ennui -- 
wo scherben und zerbrochene geräteteile den boden säumten dort
ließen wir uns zum nachtmahl nieder und 
priesen aloisias avantgarde und ihre
milde führung durch diese tage und 
alles das sich uns bot






aus dem stamm der mittagstiere
eingewandert aus den vierzig städten
mit einer entourage aus läusen, stolzen bernhardinern
gewappnet für den kampf auf augenhöhe:
so schritten alle gremlins – heimlich schüchtern –
durch die schweren tore ein
ich fand den anblick der sich bot gelinde gesagt spitze 
denn so ein bild das gab’s auf den displays noch nie 






im multiplex – wie in den tausend spiegeln
sahen wir uns selber scharf und konturiert
es lag an dieser meinung über filme als zerstreuung
die aufgegeben werden musste und uns
bibbern ließ als große teile unsrer selbst

erschüttert so in einem alten wissen – wie
junge bienen, zarte fliegen und termiten
schwirrten wir wie blöd nur auf den innenseiten
als wollten wir die eltern als die schuldigen drankriegen
und vielleicht wuchs uns auch ein mut zu aus dieser kinderwut und ungeschütztheit
die sich als redemut zeigte jedenfalls bald: legt euch nicht an mit uns!, wir stecken in der PHASE: wir warten auf die nächste renaissance-!,
und weiter: an uns rutschen alle messer, alle kommentare
geschmeidig ab wie heiße himbeeren an antarktis, 
wie euer trost an hartem, striktem tun. 






die leiter aller irdischen filialen
vernebelten die welt mit preisgestaltung

ihre angestellten (=kinder) riefen unwirsch nach dem bühnennebel,
nach den alpaccas, die ihn frank & frei vertrieben: in flüssigkeiten, winzigen geräten

die kinder jedenfalls wollten abzwacken gewinne in der höhe vieler euros
als handelspartner waren sie geübt (siehe die schule und das börsenspiel als die methoden ihrer erziehung)

wie dieser handel ablief im detail das
erschlossen wir aus der erzählung der behörden

denn bühnennebel gegen kinderwährung war dem
wirtschaftsblatt nur eine nachrichtenzeile wert:

sie enthielt statt fakten eine allgemeine wahrheit
über den weltenhandel, geschmückt mit kapitälchen

besagend dass alle, die filialen führten in den nachbarschaften
zugleich den globalen thurst befeuerten, am leben hielten

durch vernebelung und handel mit dem nebel
stünden sie wie sinnbilder, wie abgegriffene gestalten

in der landschaft, die sie wirken ließ wie schattenriesen
sodass der lichter schein durchwirkte kaum 

ihr allernächstes tun.






im «buch der chronik» sollst du stöbern
du findest dort den heilen zwerg aus eis.
und doch ist es ein andrer gotteskrieger sondergleichen
vielleicht ein goldfisch en miniature
der dir zurät:
lass zurück das buch auf einer parkbank
(und damit auch den kalten troll darin)
ganz so als hättest du’s vergessen aus
verträumtheit und aus zufall –
sodass die zweite kleine seele die ich
pflanze in den park zur selben zeit
asyl gibt dem lausigen schinken 
und so fort --






verlass mich nicht du keilhafte gestalt --!
ich hatte dich wie einen hörer mir ans ohr gehalten –
hey zugegeben: es ist wahr!
doch wie musste ich bereuen diesen faux pas hinterher, wie!!
(vor publikum, vor den gefährten, vor eceteras pps, schamvoll) /

immerhin ich könnte abbitte leisten und dir
genugtuung verschaffen bis weit hinein ins nächste leben
in dem wir uns übrigens nicht wie waren die wir kennen
sondern wie neugeborene anfassen die nichts wissen – 
and having said this i choose to leave you behind instead






gelehrsame wirbel aus wind dir im ärmel
schlüpfrig und wissend zugleich eins durchzieh’n (!)
so weißt du bestimmt um die vermehrung der winde
speziell in den achselhöhlen und den kniekehlen denn
als naturgesetz geht dieses wissen wie trauma --
durch die generationen 






mir stand despair aufs stirnband schon geschrieben
da war ich noch ein welpisches modell
geschult im skeptizismus und erzogen
wie kapseln, ohne verve: hör!, sei!, soll!

geübter, ja verspielter in weltabgewandtheit später
verstiegen, dennoch lässig – weil ja kaum zu seh’n
verpflichtet in der hauptsache den felsen, den graniten
vernarrt, nein blindverliebt in moose – deren phantasien und ideen:

als herrschten über lebende und tote
regierungen aus farnen und aus sporn -- !
(so ging im moos die vielbeschworne meinung / herausgebrüllt am monatsersten – von sung-han aus dem rayon*)




*der sog. »rayon« bezeichnet in moosgesellschaften eine elitäre gruppe junger männer, deren wortführerschaft so lange unangetastet bleibt, bis sie eines tages – rituell, aber nichtsdestoweniger leidenschaftlich – aufgegessen werden.






pächter der pflicht

ich war noch nicht konkret enttarnt gewesen,
als über mir das pflichten-schild erglomm:
ich konnt’s nicht lesen, nicht verstehen,
was getan, was unterlassen: was als hehre handlung
vom schlüpfrigen bewusstsein angezettelt werden soll.

so oder so: ich hätt’ dem pflichtenruf des schildes
nur folgen können durch ein sattsam uneigentliches tun
unklar, ob die pächter dieser wand, an dem das schild hing,
das als variante einbezogen hatten –
oder nicht.

nichtsdestotrotz, ich ließ mich nieder, ganz wie ich war in meiner halben camouflage,
um erst einmal zu schützen dieses schild vor alten rockern,
die aus den dörfern in bestimmten tranchen hierher kamen,
um ihr gedämpftes, ja wattiertes dasein aufzulösen:
in ledershorts und riots.




letzte plastik

nicht alle legen das gewerbe des lebens
als kunstvollen schmus an
nicht alle greifen mit darstellender malerei
in ganze nationaleinkommen ein
nicht alle fitzeln am kleinsten, am unversöhnlichsten part
(am rätselcharakter, als fetisch)
und nicht alle nesteln am gedrehten, am geschwurbelten stängel,
gemacht aus papier immerhin, nicht aus bronze, aus draht oder stahl,
und hängen so fest an der gips-, an der schlackeschale
wie leichtes insekt am veredelten.. halm.
nicht alle schließlich huldigen den machenschaften
der humanoiden
so ganz im allgemeinen