über rührung


bessek lebt, so geht die meinung, in der angst, nein, im respekt vorm kategorienfehler: 
es ist genauigkeit, ja facettierung, die er will.
er ist mit diesem wunsch, weiß man, im allergrößten recht -- /


es überfällt bessek (an dieser stelle schon) die allererste rührung, wenn er die marder ihre liebsten stifte spitzen sieht. ihre hauptwerke, das sei erlaubt zu sagen, entziehen sich unseres verständnisses nicht, schreibt bessek ins notizbuch (das sich erhalten wird der nachwelt als ein sagenhaftes fragment; das die geister auf sich ziehen, das bündeln wird die – auch hohlen – interessen, noch bis ziemlich lang und weit! / ---- all das aber, weiß bessek, macht nichts, tut fast nichts zur sache --)

wer bist du, meine liebe, woher kamst du einst und was ist nun?

bessek stiert, ja es stimmt: er sieht nicht einfach, nein, er klopft wie mit kleinen hämmern mit den blicken die gegenstände ab, diese dinge, die schon völlig angehören seiner fixierung: es ist – im moment – ein bild, gemalt von jungenhand (von seiner), und es ist von unentschiedenheit durchaus geprägt, dieses bild, sagen die beschreiber, und bessek stimmt wohl dieser these zu: ich habe dich gemalt, aus der erinnerung!!

wer ist sie, wer ist dieser „gegenstand“?, und wohin ging damals mein strich genau? – bessek hängt an der malerei wie an der gemalten. beider verlust bedeute, würde bedeuten... ein nicht ganz unglimpfliches chaos. eins in mir. das sagt bessek. es erzeugt ein gestelztes, ein zerhacktes, ein unfertiges gefühl, alles das überhaupt aufs tapet zu bringen, das zu stammeln ja und überhaupt. das sagt bessek. was ich sehe, was ich registriere, das ist mein gedanke, wie er felsenfest hängt an der einmal gemachten erfahrung einer solchen nähe. hängen. nachgehängt. das weiß bessek. er weiß aber auch, in der gar nicht zynischen dialektik eines allergrößten kinds: NA!: na na na náa!


du kannst heißer sein als sonst,
denn dein gemüt schwankt sowieso
sei nicht im mittel sondern schlage aus
wie das verliebte pendel einmal so --
es tat als --
ein abgeschwächtes, mildes zeichen
einer wildheit seines tuns 

es ist kein geheimnis: so schreibt bessek; hält sich nicht zurück. wer sagt denn, sagt er, dass nicht ganze kompendien, ganze gedichtbände die nachgeborenen belasten, beschäftigen müssen, dass nicht der kommentierung harren sollen ganze theatertheorien, romane, zyklen, skizzen und i-d-e-e-n ? 
die bescheidenheit, sagt bessek, ist keine tugend, wenn man beinah verschwindet, fast versackt dabei: dann ist’s nur noch die fahrlässigkeit, die schiere, die da oberhand gewinnt, als schäbige tugend -- / weißt du, sagt bessek: sprich sie einfach nicht mehr an (die bescheidenheit).

was aber ist dein thema, bessek?, was besprichst du? -- ist es die „rührung“? sag es an!
(es ist ein gar nicht kleiner teil des lebens ausgestaltet immerzu als interview, weiß bessek: selbstbefragung. fremdbefragung. eignungstest und prüfung. – ja, und leidergottes letzteres zumeist)

was rührt dich, bessek, weißt du’s schon, was rührt dich an?

es rührt mich die geölte maschine wenn sie zart in ihrem ablauf läuft so weise und geschmiert.
es rüht mich die kolonne, rühren mich die aufgefädelten automobile wenn sie ein muster bilden das den mosaiken gleicht (die mich erinnern an ----, / die ich wohl kenne einerseits, / und andrerseits nicht kennen kann)

es ist, sagt bessek, wie so oft der frage schwanz in richtung ihres kopfes umzulenken: wie ich denn nicht in sentimentalität, so muss ich fragen, wie ich denn nicht im sentiment vegetieren, ja vielleicht gar im zutiefsten humanismus-ismus „l“ wie leben kann? nicht in der rührung?! der bewegung!? nicht im reiz und in der rührung, nicht heiß gereizt und heftig angerührt!?


was leblos macht
das hack ich ab
was aussaugt mir
den krassen saft
das watsch ich ab
das schlag ich ein
höchst heftig auch
und ungemein --

(aus: bessek: tagesdichtungen, abgeworben der heilen hand. gedichte als sprechende tugenden. versehen mit vielen gezogenen schlüssen sowie kommentaren zu den meisten stimmungen. erste auflage. zelle 2006)




bessek 3 | es wärmt, es macht



bessek versieht die alte liebe mit steinen, verkrusteten stengeln, blättern und blättchen: dieser erinnerung ist jetzt. auf ihr tanzt etwas, das als wacher geist identifiziert werden kann – oder, profan beschrieben, als schatten einer kröte. als ganzes ist diese form länglich, als stapel aufgebaut: dieser altar geht in die höhe. irgendwo in die mitte hinein, das versteck suchend in der ordnung, legt bessek einen zettel mit 22 wörtern, geschrieben von eigener hand, geformt auch zu jungen, füchsischen, naja (immerhin) furchtlosen sätzen: sie preisen das gefühl ganz im allgemeinen als leim für jeden weltbezug. in ihnen ist besseks ganzer ausgeschlafener, freilich noch nicht sattgegessener verstand gebunden: die art von verstand, die beim einzelnen am besten funktioniert, wenn er mit besinnung endlich denkt.
zur feierstunde nun legt bessek die knöchelschoner ab, denn an der freigelegten stelle gibt es ein vielfaches zu spüren. als gefühl waltet es auch dann, wenn es geschauspielert, imitiert wird als phantomgefühl; bessek scheut die kopien nicht, im gegenteil.
irgendwann im ritual kommt immer der moment, in dem sich der ablauf selbst unterbricht, wie von selbst unterbricht, auf dass ein klarer gedanke sich einrichten kann im klaglosen ablaufen, im verrinnen des ritus als prozess wie zeit, wie sanduhrzeit: geschmeidig, zu geschmeidig.

was ist diese liebe als ritual? eine erinnerung, verkrustet zum sentiment, ein sentimentales hobby? oder doch ein fest und ernst verankertes im... fleisch? bessek kennt die antworten nicht, und lieber als zu fragen und zu antworten und zur fragerei zurückzukehren hinterher etc., streut er thymian um die gemeinen löcher. dieser gesamte platz – umsäumt vom durchaus herrlichen flaum des neuesten farns (ja er war eine regelrechte neuheit) – ist robust eingerichtet, auf dass er die tänze aushält, die handstände, das schattenboxen, das keppeln und hüpfen, das mantra und ein hohles weinen. bessek verzichtet allerdings auf den idealen beginn, der durch diese schmackhafte aufzählung angedeutet wird, verzichtet auf die ideale vorbereitung, das ideale ausharren: er möchte stattdessen die scheuen bilder kommen lassen und die heißen perlen ebenso, indes: beurteilt, begutachtet, benotet werden möchte er nicht.

wie liebevoll zerdrückte erdbeeren, wenn sie nicht wie abgeerntete früchte wirken, sondern wie lebende genossen: so liefert diese stunde ihre gunst: rot, weit, durchlässig, wellenartig. wer bin ich, wenn ich nicht von dieser erinnerung zehre, ja ist es denn another time’s memory?, another man’s property?, fragt bessek das moos. fragt das moos den geheimen sternengang. fragt die schneckenpracht ein anderes bewusstsein. „keine zeit für nützlichere gedanken!“, kann jetzt selbst die ranghöchste bekunden, da ihr der sinn nach pause steht: ja sie hackt die nüsse nebenbei und sitzt als die eule, die sie ist, im ersten zuschauerrang, den blick – der von links nach rechts geht immer wieder – zwischendurch auf bessek richtend, auf bessek, diese kuriose gestalt (in eulenaugen, auf eulennetzhaut sich als solche abbildend). bessek, die hilfseule, imitiert und charmiert: mischt sich durch schlaue bewegung als erscheinung in das, was diese eulenaugen erjagen wollen wie beute: es entsteht so ein verhältnis, in dem begehrt wird, bestaunt, bestastet, beäugt eben. und aus eulenkleidern gemacht ist jetzt auf einmal besseks befederter hut: so ausgeschmückt wird bessek kenntlicher als kenntlich, und genau so träumt ihn die zweite, die kleinere eule: „wie kann ich dich erjagen in gedanken, und dein blattwerk dir abstreifen, auf dass wir beide nackte tiere sind!?“, wimmert sie.
bessek dichtet oder unterstützt oder befördert dies alles nicht, und auch seine gefährten erfinden hier nichts im sinne einer kunst. freilich verzweifeln sie auch umgekehrt nicht an jenem anteil des geschehens, der sich tatsächlich in gedanken abspielt, der nur im ausdenken selbst existiert: mit so viel potentiellem leben umgeben zu sein!, ja das ergibt nicht nur für die eichelhäher und die schlangenschwestern den optimalen, den maximalen sinn. und diejenigen, sagen sie in ihren sonntagsreden, die dieser wirklichkeit den schleier abzustreifen sich anschicken: die mögen erst, die mögen erst, die mögen erst kommen! und die würden, wenn sie denn kämen, nur mit ihren losen augen ohne schuppen dastehen, kahlgedacht und knausrig leer. drum lasst uns einstimmen in den refrain: verhasst sind uns die eindeutigen!


eine stunde ist so und so ähnlich vergangen mit hin- und hergetue, und bessek baut am ende der feierstunde sehr gekonnt den aufgestapelten obelisken wieder ab: schicht um schicht und teilchen um teilchen, und auch das beschriebene zettelchen nimmt er heraus und wirft es in eines der kleinen feuer ringsum. es wird fürs nächste mal neu sein, neu zu sein haben: das erneuerte nämlich im gehabten, denkt bessek, das schütze ich naiv wie schätze, als verbinde sich damit eine wahrheit von allgemeinerem wert. ach geschenkt!, denkt bessek, schenken wir uns doch die vielen krummen worte, die die diener der erklärungen sind, willfährig stehn in ihrem dienst: was sag ich noch? nichts sag ich noch! das läuft hier so. so macht sich das.



bessek 2



bessek beobachtet hunde; ganze heerscharen von schmerzen; den nachthimmel, wenn er birst.

bessek kennt bäume mit stimmungen,
eine eichhörnchenfamilie,
eine geistliche, die ihn regelmäßig in einer höhle besucht.

bessek wird tier genannt, der grobgekörnte, der strahlensensible, oder: vernunftkritiker.

besseks handtaschen, seine möbel, der hausrat, die bibliothek: verwachsen mit natur.
besseks leben wird im allgemeinen „kein-projekt“ genannt.

bessek, wird gesagt, war einmal krankenpfleger,
meereserwärmer,
urbanist und architekt,
präsidentin.
b. sprach einmal auf podien,
in hallen,
zu delegierten.

bessek war auf kriegsfuß mit der wissenschaft, wird gesagt, und er kennt heute keinen in der schwebe mehr, sondern nur am boden. dort aber viele. (daraus, wird gesagt, leite sich b.s verhältnis zur entschiedenheit ab, zur fixen idee.)

bessek erscheint defensiv: sofort beginnt er seinen rückzug, wenn die beobachterinnen kommen: sie sehen auf b. mit feldstechern. sie kleiden sich in sportswear aus der zeit der quietschenden, raschelnden stoffe. sie gehen, robben und laufen in khaki-farbenen hosen mit robusten reißverschlüssen, in zugleich weichen und harten schuhen, in weiten regenjacken (beschriftet mit ihren leitmotiven, leitgedanken: „explore“, „my life my adventure“, „enough is not enough“).

bessek, wie er in der personenbeschreibung aufscheint:
das individuum trägt haare am bauch, krümmungen am rücken, filigrane beschriftungen an den fesseln
es ist ca. 40 jahre alt
sein ist haar schwarz und grau (handschriftlicher zusatz: maybe 4 more colours in the mix)
it has big hands; holding many leaves for comfort; wont give them away.
it carried a notebook almost empty upon arrival, and a photo album with no pictures of people in it but of THINGS: of things in packages, of newly bought and/or delivered things: of letters UNOPENED. — / yes: this album contains a whole section of photos of unopened LETTERS, the investigator notes: mostly envelopes shot from behind (stamps are never in the picture; always the backside. — the investigator adds a yellow questionmark next to the „stamps-passage, highlighting this particular detail).
during questioning bessek is forced to describe his absolute—recalling a french term—desinteressement (adding: ennui) when it comes to stamps. there even might be an unusually heavy hate for stamps, the psychologists figure out later: a hate for stamps, expressed through pitting people who collect stamps (this might as well be called resentment etc.) / why, the „specialist“ ask each other during their ever ongoing talks, does bessek hold so much disgust for stamps? for people who adore stamps? love stamps? who collect them for years, centuries, lifetimes, over generations even? – gundola, a young graduate from iratú-university, takes her chance and argues (in front of her much older, much more experienced colleges) that bessek dislikes stamps because they tell stories from all kinds of places, from cities, heavens and regions of all the 3 planets, all the „let them be forgotten“-times. he carries a deep hate for other places, for geography in all its forms–dilettant, everyday, academic–, which is linked to bessek’s so called „post-time-condition“: it must truely make him project into stamps what b. despises most in life:
space & time.
  
bessek auf dem weg ins zeit- und raumlose

bessek gegen den change—be it the change in or outside of us
  
bessek auf generallinie mit der natur wie sie entworfen ward im opus ingnadia I, depesche 2: as the grand life of the living. being in, being the natural movement, meaning: existing as a vibrating STATIC. what we call change only appears as being things in motion. instead it is the ever ongoing FLOW, THE ETERNAL BREATH OF THE PLANETS that is, well: that brought itself into being during the „let them be forgotten“-times: being is in itself animate, rejecting everything dead. never „in the move“, as humans of „the centuries“ pictured „moving“.

bessek vor etwa 5 jahren:
gefangen in einer art schlangenschale, umstellt von institutionen, anstalten, sachzwängen, trompetenkursen, spa-ideen, telefonkontakten, malen nach zahlen, selbstbräunern.

bessek geht schließlich gegen seine eigene verkrustung vor
(gegen selbstdiagnostizierte zombifizierung)

woran sich zombifizierung zeigt:
- ressentiment
- verholzung
- an körpern, die zu papier, zu kartonage werden [holz + papier breiten sich in körpern aus]
- fleisch wird peu à peu zu papier: stress und erhitzung versengen die besagten eigen-körper (sie selbstverglühen von innen: burning out)
- die sätze werden kürzer
- man spricht gemeinhin schneller
- man spricht mehr und mehr in anweisungen, befehlen
- andere erscheinen als lakaien, untalentiert
- die fingernägel werden kürzer

bessek in der gegenwart:
b. kritisiert „french theory“
b. pflegt ein faible für großes (und eine abneigung gegenüber allem kleinteiligen)
b. kultiviert vergleiche zweier gegenstände, teile, glieder miteinander als permanentes schema: 1 ist im vergleich zu 2 ....

b. in seiner existenz kurz vor seinem waldgang:
b. verteilt pamphlete
boykottiert supermärkte, baumärkte, konsum
zerreißt hemden
zeichnet obszönes in kalender, auf lose papiere, in bücher, handreichungen

b. verfasst das versepos „leben und streben des bessek: die falte“

b. erklärt sich mit der englischen übersetzung einverstanden:
„lives and works of bessek: the fold“

bessek wird eine frau

bessek domestiziert steine

bessek verliert gegen die geistliche im schach (auf dem liebgewonnenen schachbrett aus holz, harz & stein)

bessek näht kleider aus aufgesammelten stofffetzen

bessek errichtet seinen zweitwohnsitz in paris mit bloßen händen

b. erscheint auf zerfahrenen videobildern, gespeichert auf disketten, verschiedenen datenträgern, gesammelt in archiven aus ganz anderen zeiten:

videoaufzeichnungen zeigen b.:
in katakomben
in den kellergängen der bibliotheken
in der luftburg (nachts)
in beheizten pools (wo bessek runden dreht wie hamsterprofis)
im schwitzkasten (kampfszene 1)
im humus (ora et labora!)
am laufband (arbeit ist freizeit freizeit ist arbeit schweiß der preis preis ist heiß)
in gewölben (die architekturen der welt bewundernd)
in verrosteten anlagen, industrien
im golfgras
im umzäunten quadrat zwischen den parkplätzen (begeistert vom stillgelegten wasserspiel)
in der lippe
im schoß
in der achselhöhle
dort, wo es wärmt—




lives and works of bessek: die falte / the fold


bessek, one true glorifier,
sitting, living, ageing in the woods:
yes, it is his natural habitat now
and it is talked about by strangers
holding chairs for applied sciences, dead or alive
hiding in outdoor outfits (in expensive ones)
taking pictures of bessek from a distance.

grace lies in living in tiny holes and caves,  
in folds: in a thousand folds!, they write.
AS IF!, bessek exclaims—
rejecting every theory—­high theory!—of folds, of folding,
of “THE FOLD”.
in a world, bessek says, pretending to be nothing but sleek
everyone’s worshiping nothing but folds.
but no one, bessek knows, sees them for what they really are:
places of dirt and dead skin and hair and fingernails
and all the inanimate rest.

if the human race, bessek explains, 
will ever leave our three inexpressible planets
nothing but this debris will remain:
lingering infinitely,
lingering in stupidity.

instead of folds—be it the fictitious academic cosmopolitan, be it the rural proletarian, sometimes random kind—bessek glorifies nothing but the woods
for they are one gigantic mess
existing in complete disregard of theories
of folds.



gografie


es ruft die anti-architektin,
die nichts in höhen ziehen, kein volumen kennen will,
stattdessen plattheit wünscht, japanische papiere,
das dünne, wenig masse, nieder, instabil: 

»sucht mich in regelmäßigen abständen
in heiden, planen ebnen, außerhalb der malls,
wo kein gebäude meine sinne störe
und ich in freiheit ginge wie das
monochrome
flache 
tier«







































planung der arten
kapsel am mond
parthenogenese spät nachts,
zeugend die weltallkapsel: 
venuskapsel
marskapsel
erdkapsel.
den disput zwischen allen arten
kann das nicht stoppen, denn
sie kriegen sich klein mit wut
wo doch
die parthenogenese 
ein talent ist,
das
ruhe erfordert und
zivilisierung.



mama als dichterin
mama attestiert den upsies den alltag
mama macht die leaders of the free world nervös
mama hat dosenbier für zwei tage in petto, umgefüllt in gläser
mama kupfert alles von den etikettentexten ab



froschung
das froschungskommitee formiert sich
ebenso die gegnerinnen der froschung

die froschung, wird berichtet, hat zulauf
andererseits ist die froschung im vergleich
zu beliebteren formen der zellteilung
ein minderheitenprogramm





wärme


es bestehe noch hoffnung für ihre person, flüstert schwester sapientia, dann nämlich, wenn sie sich in die kammer zurückziehe und schweige. lange.

die oberin hingegen redet sich in rage: sie spricht über die schimmelpilzentwicklung in den ebenerdigen trakten des klosters, über die konflikte mit den regionalen behörden, dem forstamt; sie spricht über die lebens- und arbeitsbedingungen ihrer schwestern im allgemeinen: das besitzanzeigende wort steht für ein verhältnis der verantwortlichkeit, das sie mit den ordensschwestern verbindet und an dem sie jeden tag knüpfen – gemeinsam:

ein verhältnis, das zu schützen mit harschen worten die oberin jederzeit und allüberall bereit ist.

je harscher diese worte, je lauter, greller das trommelfeuer, je garstiger das gebrüll, das wehklagen und das jammern für die gemeinsame sache (die ordensgemeinschaft, das kloster), je mehr töne und worte gemacht würden dafür, desto dichter werde der nebel, der durch diesen lärm in die verhältnisse, die dinge, institutionen, menschengewalten geblasen werde. das insistieren erzeuge diesen nebel (als speziellen aggregatzustand der luft), der je dichter, desto mehr wärme erzeuge, da die lücken zwischen menschen und dingen und zwischen menschen und menschen verkleinert würden durch die luftmassen, durch den nebel als dämmstoff ---- /


lesung aus den apokryphen, liber theodorianae, 5, 26.





rambo 4


1
alle flugblattschreiber, auf ewig ohne credits
restlos asketisch längst im weltbezug
nennen wie texter planer drucker wisser
als ihre legitime stelle: anonymität
sagen: wie fiesheit, ketzerei und haltung
ist sie der wurzelstock der profession
formt furor überschätzung übertreibung
ist noch der radikalsten geste scheuer lohn


2 (referee)
es steh’n am snookertisch verliebte augen
die kennen wollen den, der kugeln trägt
die loben wollen alle akkuraten griffe, hände
und alles, was zu kennen sagen loben lohnt.
was diese schönheit uns mit gesten gibt, das ist nicht
verkörperung von disziplin, getarnt als eleganz
sondern die umsicht, die da trotzt der hierarchien härte
spricht dem verborgensein des snooker-dritten hohn


3  (workers)
es sind die tausend teams der unsichtbaren hände
eng anverwandelt schon den tischen, böden, ihrem tun
es macht sie alsbald klanglos mit-verschwinden
phantome dann im wesen längst & lange schon.
was einer zweien dreien sich bemächtigt,
heißt: ein jähes ende jeder spontaneität
das auszubuchstabieren ist, sagt man, mühselig
es einzufangen sinnlos, weil: geschönt


4  (stallone)
wir widersprechen laut der abgeschauten meinung
im konterfei des lieblings stecke nur ein einziges gesicht
sodass das schöne schauen unsres lieblings
runterzurechnen sei auf eben diesen einen sinn
wenn doch im antlitz unsres lieblings vielmehr wohnen
weit mehr als tausend blicke, harren längst der möglichkeit
ihr stilles sehnen auch einmal zu sagen
ellenweit hinaus über des fiesen lieblings kinn




drillinge


drillinge kamen, alle fiesen zu warnen; 
sangen:

»wir stellen der harten, ja der härtesten 3,
mit uns frisbees, auch waffen en masse sind dabei.
so mit selbstverteidigungs- und angriffspack recht prominent ausgekleidet  
wollen wir prophezeien, was ihr in prophezeiung samt wetterbericht vermeidet:
nämlich dass in 3-ein-halb tagen wir meinen zu tragen
herrr- und o-jee!, ja regelrecht, auf!-auf!, zum schafott: 
euer zweiteweltbild samt extras, 
nicht mit kerzen des ketzers, 
sind doch wir selber ziemlich helle, und außerdem doll:
kamen immerhin zu dritt 3x so – quoll
bei uns über der mut und die euphorie 
schon von geburtstagen an (3=1) – 
also 3x so hart war’s uns im dreifach zerr-spiegelten herzen;
sagen darob: stoppt knallharten, verzwackten, verzogenen unsinn!
und entfernt jetzt den muckis euer seelenloses fernsehn!
und lasst strömen einen sturm endlich durch die vermotteten zellen!,
und wir rächen garantiert des welt-regress unbarmherzige wellen,
indem wir’s treiben wie die allseits unbeliebte guillotine
und kappen forever eure (miesepetrige) miene
von eurem körper, sodass ihr bald schon läuft wie schiere
hähne ohne hirne
beziehungsweise: 
wunden ohne schorf.
seid also ängstlich und achtsam!, dann tun wir ihn rasch:
unsern dienst gegen die eure, elsterische reaktion, 
und verbessern damit den standard als lebenslangen – ja schon! 
und eure millimeter-biografien servier’n wir hinterher als comic 
gemalt auf lausige servietten mit quasi-linksgedrehtem honig!«